>>Rinderverkaufsverband<< für alle

Ein großer Landmaschinenhändler verlor vor einigen Jahren seine Verkaufslizenz für eine Schleppermarke, weil er in einem Tochterunternehmen auch mit anderen Schleppermarken Handel trieb. Erstere wollte die volle Aufmerksamkeit ihres Lizenzträgers für die eigene Marke und keinen Mischmasch!

Heute war in der Zeitung zu lesen dass die AHG mit dem Bayerischen Holsteinzuchtverband fusionieren wird.  Es soll ein großer Rasseübergreifender Mehrrassenverband entstehen, dessen Einfluss weit über das Allgäu hinausreicht. Es ist ein ungleiche Hochzeit, denn die AHG ist eine sehr reiche Braut und der SRB ist arm wie eine Kirchenmaus.  Aus Sicht der Braunviehzucht ist diese Fusion nicht nur der Sargnagel, es ist die Beerdigung. Der Riese der da entsteht ist ein Monster. Er hat  nur eine Aufgabe - Handel zu trieben für seine Mitglieder. Im Angebot stehen Jungkühe, Nutzkälber, Bullen, Exportkalbinnen usw., usw.. Welche Farbe diese Tiere haben und welcher Rasse sie angehören ist bedeutungslos.  

Und die Braunviehzucht? Eigentlich ist die AHG ja heute schon kein Braunviehzuchtverband mehr, sondern ein Mehrrasseverband der alle Rassen betreut. Einen Braunviehzuchtverband gibt es in Deutschland nicht mehr. Die deutsche Braunviehzucht  ist in den Händen von 2 Männern und der Rest muss nach deren Pfeife tanzen, einschließlich der Besamungsstationen. Was ich nicht verstehe, warum die Braunviehzüchter in den Ausschüssen und Gremien sich so über den Tisch ziehen lassen und diesen ganzen Wahnsinn  abnicken. Unser Eigentum wird aufgeteilt und die Rasse pulverisiert. Bad Waldsee und Weilheim haben es vorgemacht, die AHG macht es jetzt nach!   Ohne Not!

Es ist an der Zeit, dass sich die Braunviehzüchter deutschlandweit organisieren und unabhängig von ihren >>Rinderverkaufsverbänden<< die Rettung des Brauviehs in Angriff nehmen. Viel Zeit dafür bleibt ihnen nun nicht mehr!

 

Eine Entschuldigung der Verantwortlichen gibt es nicht. In Altdorf hat die Interessengemeinschaft Braunvieh dem Vorstand der AHG vor 9 Jahren folgende 10 Forderungen überreicht. Jeder kann selber entscheiden was dieser daraus gemacht hat! Ich persönlich meine: 0,0!

 

Wir wurden ausgelacht, angefeindet und auch von den meisten Züchtern als Besserwisser verurteilt - aber recht hatten wir! Jeder Braunviehzüchter der mit offenen Augen durchs Leben geht, muss dies heute zugeben!

 

Leider waren wir zu naiv! Wir wollten keine Spaltung der Züchter und wir waren mittellos. Uns hätte damals schon schwanen können, dass die Herren (allen voran der damalige Vorstand Schütz) unsere Forderungen nach Altdorf in den Mülleimer werfen würden. Am Busen des Zuchtleiters lebt es sich fürstlich, wenn man das Hirn ausschaltet und die Klappe hält. Wir können uns jedenfalls nicht vorwerfen, dass wir es nicht versucht hätten.

 

 

1.    Die Braunviehzüchter wollen einen starken selbständigen bayerischen Braunviehzuchtverband. Einzellösungen und rasseübergreifende Zusammenschlüsse im Bereich der Zucht und Herbuchführung sind kontraproduktiv. Die Fortführung dezentraler Beratung und Vermarktung macht vorerst weiterhin Sinn.

 

 

 

2.    Die AHG braucht jetzt einen eigenen Geschäftsführer mit Schlüsselkompetenzen in den Bereichen Zucht, Personal und Verwaltung. Er muss unabhängig vom staatlichen Zuchtleiter agieren können.

 

 

 

3.    Neuordnung der staatlichen Zuständigkeit. Die IGBV fordert keinen kompletten Rückzug, sondern eine Neudefinition der Aufgaben. In den sensiblen Bereichen Zuchtwertschätzung und Nachkommenprüfung ist ein staatlich neutrales Engagement weiterhin unerlässlich. Die direkte Zuchtarbeit gehört in die Hände der Züchter.

 

 

 

4.    Aufbau demokratischer Strukturen mit Direktwahl der Führungspersonen.

 

 

 

5.    Die Braunviehzucht braucht eine Imageoffensive nach außen. Diese muss das Braunvieh als zukunftsfähige, moderne, wirtschaftliche Rasse darstellen. Braunvieh ist keine Alternative, Braunvieh ist das Maß der Dinge.

 

 

 

6.    Die Braunviehzucht braucht eine Imageoffensive nach innen. Professionelle, regelmäßige Informationsmedien für Mitglieder, Infofahrten, Tierschauen, Preisrichter- und Tierbeurteilungsseminare, Embryonen- und Tiervermittlungsbörsen sind wichtig und die Züchter zu motivieren.

 

 

 

7.    Die Braunviehzucht braucht eine braunviehspezifische Zuchtwertschätzung. Der Braunviehzuchtverband gibt hier die Richtung vor. Rassespezifische Vorteile wie z.B. Langlebigkeit, Spätreife und Persistenz müssen darin stärker gewertet werden. Wir brauchen keine Holsteinkuh im braunen Kleid.  

 

 

 

8.    Die internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Zuchtwertschätzung muss weiter ausgebaut werden. Themen wie beispielsweise Grundfuttereffizienz, Klimawandel, Nutzung von Grenzstandorten müssen berücksichtigt werden.

 

 

 

9.    Im Bereich der genomischen Zuchtwertschätzung ist die Position der Züchter zu stärken. Der Markt um positiv getestete Tiere muss dem Züchter des interessanten Einzeltieres zugänglich sein. Angebot und Nachfrage sollten den Preis regeln. Wettbewerb darf nicht durch enge Vertragsknebeln unterbunden werden. Der Zuchtverband muss sich hier vor seine Mitglieder stellen und ihre Interessen gegenüber den Besamungsstationen wahren. 

 

 

 

10.  Ein zentrales Braunviehzentrum macht Sinn wenn der rasante Abwärtstrend in der Bestandsentwicklung gestoppt ist und Braunvieh wieder mit vielseitigen Vermarktungsperspektiven aufwarten kann.

 

Altdorf August 2011